gemessen
Drehzahl auf ein Prozent genau
Hochgeschaltet wurde bei 7050 bis 7610 U/min, bei Höchstgeschwindigkeit drehte der Motor 6900 bis 7260 U/min. Die Tonaufnahme liefert dieselben Werte mit weniger als einem Prozent Abweichung.
Prüffahrt · Protokoll 001 · 26.09.2026
Vier Vollgasläufe auf einem Waldweg, eine Vespa PX 80 von 1982 und ein altes Pixel 3 mit Klettband am Akku. Einen Prüfstand gab es nicht, einen Drehzahlmesser auch nicht. Trotzdem liefern die Vibrationen des Rahmens die Motordrehzahl auf ein Prozent genau, und mit ihr jeden Gangwechsel und die Übersetzung.
Messfenster
Das Bild zeigt 64 Sekunden Vibration aus Lauf 3, einem ganz normalen Lauf durch alle vier Gänge. Die Zeit läuft nach rechts, die Frequenz steigt nach oben. Je heller eine Stelle, desto stärker schwingt der Rahmen bei dieser Frequenz.
Die helle Linie, die beim Beschleunigen steigt und bei jedem Schaltvorgang abfällt, ist die Kurbelwelle. Die Zahlen darüber markieren die Gänge. Die Frequenz der Linie mal 60 ergibt die Drehzahl. Das schwächere Band ganz unten stammt vom Hinterrad. Mit dem Häkchen oben lässt sich die Linie einblenden, die die Auswertung als Drehzahl erkannt hat.
Das finale Diagramm
So könnte eine fertige Auswertung aussehen. Jede farbige Linie ist ein Lauf, aufgetragen als Drehzahl über dem Tempo. Solange ein Gang eingelegt ist, wachsen Drehzahl und Tempo im festen Verhältnis. Die Linien liegen deshalb auf vier Strahlen, einem pro Gang. Beim Hochschalten fällt die Drehzahl auf den nächsten Strahl. So entsteht das Sägezahnmuster, das man aus Übersetzungsrechnern kennt, hier mit echten Messwerten.
Mit dem Zeiger oder per Fingertipp lassen sich in allen Diagrammen einzelne Werte ablesen.
Dieselben vier Läufe über der Zeit. Die grauen Bänder zeigen, welcher Gang gerade eingelegt war.
| Lauf | Richtung | Gänge | 0–50 km/h | 400 m | Tempo bei 400 m | Vmax | Drehzahl bei Vmax |
|---|
* In den letzten fünf Sekunden vor dem Bremsen stieg das Tempo noch um rund 1 km/h. Für die volle Höchstgeschwindigkeit war die Strecke zu kurz. Richtung Nordost beginnt die Strecke mit einem Gefälle und steigt dann an, Richtung Südwest ist es umgekehrt. Deshalb sind die Läufe Richtung Nordost beim Anfahren schneller und die Läufe Richtung Südwest nach 400 m. Genau deshalb wird jede Messung hin und zurück gefahren.
| Lauf | Schaltung | Zeitpunkt | Tempo | Drehzahl davor | Drehzahl danach |
|---|
Befunde
Diese Dinge ließen sich aus den vier Läufen herauslesen, ohne dass sie vorher bekannt waren. Zwei davon hat der Fahrer inzwischen bestätigt.
gemessen
Hochgeschaltet wurde bei 7050 bis 7610 U/min, bei Höchstgeschwindigkeit drehte der Motor 6900 bis 7260 U/min. Die Tonaufnahme liefert dieselben Werte mit weniger als einem Prozent Abweichung.
vom Fahrer bestätigt
Nach dem 1. Gang kam direkt der 3. Gang. Die Drehzahl fiel dabei von 7050 auf 3680 U/min. Bei allen anderen Schaltvorgängen blieb sie über 5300 U/min.
vom Fahrer bestätigt
Das Gyroskop misst, wie stark sich der Roller nach vorn oder hinten neigt. Beim Anfahren von Lauf 4 hob sich die Front um knapp 14 Grad und blieb gut eine halbe Sekunde über 5 Grad. In den anderen Läufen waren es weniger als 2 Grad.
noch nachzuzählen
Die Getriebewelle dreht mit einem festen Anteil der Motordrehzahl: Zähne des Kupplungsritzels geteilt durch 68. Ihre Linie lag in allen vier Läufen bei 0,3235, genau bei 22 Zähnen. Serienmäßig hat die PX 80 ein 20er Ritzel.
gemessen
Das Barometer misst den Luftdruck 25-mal pro Sekunde, und schon ein Meter Höhenunterschied verändert ihn messbar. Daraus ergibt sich ein Höhenprofil mit gut 12 Metern Auf und Ab.
gemessen
In Lauf 2 meldete das GPS kurz 88,9 km/h, laut Drehzahl waren es 83,2 km/h. Beim Anfahren zeigte das GPS fast 5 Sekunden lang 0 km/h, obwohl der Roller schon fuhr. Die Drehzahl ist das verlässlichere Tachosignal.
Wie es funktioniert
Das Handy hat kein Kabel zum Motor und keinen Drehzahlsensor. Es spürt nur, wie der Rahmen vibriert. Das reicht, weil ein Einzylinder bei jeder Umdrehung einen kleinen Stoß abgibt.
Die Kurbelwelle eines Einzylinders ist nie ganz ausgewuchtet, und der Zweitakter zündet bei jeder Umdrehung. Beides schüttelt den Rahmen einmal pro Umdrehung. Bei 6000 U/min sind das 100 Stöße pro Sekunde, also 100 Hertz.
Der Beschleunigungssensor im Handy misst 394-mal pro Sekunde, wie stark und in welche Richtung er gerade geschüttelt wird. Das Gyroskop erfasst zusätzlich jede Drehbewegung.
Eine Fourier-Analyse zerlegt jeden kurzen Ausschnitt der Messung in seine Frequenzen, so wie der Equalizer einer Stereoanlage Musik in hüpfende Balken zerlegt. Viele Ausschnitte nebeneinander ergeben das Spektrogramm.
Die stärkste Linie, die mit dem Tempo steigt und bei jedem Schaltvorgang springt, ist die Kurbelwelle. Ihre Frequenz mal 60 ergibt die Drehzahl, zum Beispiel 115 Hz × 60 = 6900 U/min bei der Höchstgeschwindigkeit von Lauf 3.
Auch das Hinterrad und die Getriebewelle hinterlassen eigene Linien. Das Verhältnis von Motor- zu Radlinie ist die Gesamtübersetzung, daran erkennt die Auswertung den Gang. Das Verhältnis von Getriebewelle zu Motor verrät die Zähne des Kupplungsritzels.
Wie es weitergeht
Gerade entsteht die Prüffahrt-App. Sie zeichnet genau diese Daten auf und packt sie in eine Datei, ausgewertet wird am Rechner. Mit mehr Fahrten lassen sich dann Setups vergleichen. Wie fein das geht, hat die Analyse der vier Läufe schon abgeschätzt.
| Änderung am Roller | Was die Messung zeigt |
|---|---|
| Anderes Ritzel oder andere Übersetzung | sichtbar schon in einem einzigen Lauf |
| Anderer Auspuff oder Vergaser | sichtbar mit drei bis fünf Hin- und Rückfahrten |
| Eine Düsengröße, ein Nadelclip, etwas Zündung | zu fein für diese Methode |
Eine PS-Zahl liefert die App bewusst nicht. Dafür müsste man den Luftwiderstand genau kennen, und der macht bei knapp 80 km/h rund 70 Prozent der Rechnung aus. Die App vergleicht deshalb, wie kräftig die Vespa bei gleicher Drehzahl beschleunigt, von Lauf zu Lauf und von Setup zu Setup.